AGATHON Wirtschaftsdienste

                

                                       Es ward dir gesagt,oh Mensch, was gut ist

                                                       Micha 6,8

                                SAM_6295

                  Filigranarbeit - Darbietung auf der Klimametropole Ruhr 2022

Das Gute und das Schlechte. Eine böse Unterscheidung?

Eine Betrachtung von Hans-Dieter Rüppel ( AGATHON Wirtschaftsdienste )

Was dem Menschen obliegt, um ein gutes Leben zu führen, erklärt der Prophet Micha dann in dem darauf folgenden Halbsatz: “ nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. “ Hört sich plausibel an, wenn da nicht der Baum der Erkenntnis gewesen wäre. Die Unterscheidung von Gut und Böse und die damit verbundene Erkenntnisfähigkeit. Die Folgen nach der jüdisch-christlichen Überlieferung. 1. Vertreibung aus dem Paradies und 2. allerlei Unannehmlichkeiten bis zu Mord und Totschlag. So aus der vormaligen Harmonie geworfen, muss sich der Mensch den Anforderungen einer freien Existenzgestaltung stellen. Was vormals unbewusst, muss sich fortan bewusst um seine Angelegenheiten kümmern. So der Natur enthoben, wird die Existenzführung zur Denksportaufgabe. Eine der Weiterentwicklungen: Der Homo Oeconomicus der von der “ invisible hand “ ( Adam Smith “ The Wealth of Nations “ ) geleitet wird? Hört sich nicht nach einem besonders bewusst agierenden Lebewesen an. Eher nach einem getriebenen, dass innerhalb eines umgreifenden ( s. dazu Karl Jaspers ) Kausalitätsmuster gelenkt oder soll man - modern ausgedrückt - sagen, ver- bis gelinkt wird? Z.B. im BigDataBrei durch SearchEngineOptimization und Bewusstseinsindustrie im Gesamtgefüge zum Funktionieren gebracht wird im Szenario von Führer, Geführten und Verführten. Natürlich zum Guten mit rosigen Zukunftsaussichten.

Wenn man den Wissenschaftlern glauben darf, ist mit der Dominanz des Menschen auf diesem Planeten das chronogeologisch als Anthropozän bezeichnete Zeitalter angebrochen. Das eigentliche Dilemma die zunehmende als Entropie bezeichnete Anfälligkeit, die zum kollektiven Zusammenbruch von Zivilisationen führen kann. Klimatische Bedrohung als Herausforderung der Zukunft, das ökologische Lebenssystem intakt zu halten. Alles droht irgendwie grenzwertig zu werden. Kolonialismus und Imperialismus ( incl. zweier Weltkriege ) hinterlassen zudem ihre Spuren in zunehmenden Anschlägen, die wegen ihrer unorthodoxen Strategie und Taktik ( falls überhaupt ein zielstrebiger Wille erkennbar ist ) jeden treffen kann. Nicht ohne Folgen für das gesellschaftliche Leben. Die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen führen nicht unbedingt zur Steigerung der Lebensqualität. So gebiert ein Problem das nächste. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit können sich unter diesen Verhältnissen auch nur eingeschränkt entwickeln. Falls überhaupt! Dissoziation und Polarisierung von Gesellschaften lassen darüber hinaus auch nicht unbedingt die Hoffnung aufkommen, dass eine einvernehmliche Lösung erreicht werden kann.

Kann sich unter diesen Voraussetzungen “ Das Gute “ überhaupt durchhalten? Oder ist es sogar so, dass es sich in einem feindlichen Umfeld in dem sich jeder der Nächste ist, sogar rechtfertigen muss, um - wie es der russische Philosph Wladimir Solowjew mit seiner Schrift “ Rechtfertigung des Guten “ über 667 Seiten versucht - sich durchsetzen zu können? Seine Lösung erinnert stark an die Losung der Aufklärung ( http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/159_kant.pdf ). Man kann nur anregen nicht überreden. Gurus und Heilsbringer aller Sorten sind nicht willkommen und kontraproduktiv.

Der Denkansatz ähnelt stark der Feststellung des amerikanischen Philosophen Richard Rorty ( aus “ Wahrheit und Fortschritt “ ):

Nach meiner Einschätzung besteht unsere Hauptaufgabe heutzutage darin, den Bürgern demokratischer Gemeinschaften zu der Überzeugung zu verhelfen, dass Wissenschaftler und Techniker ihnen nicht in höherem Masse als Leitfiguren dienen können als früher die Priester und Philosophen. Wir sollten sie zu überzeugen versuchen, dass die Ziele ihrer Gemeinschaften weder von der „ Realität „ noch von vermeintlichen Experten in Sachen Realität bestimmt werden können ( insbesondere sollten wir ihnen klarmachen, dass diesen Experten genauso wenig zu trauen ist wie den Experten in Sachen Gott oder den Experten in Sachen Sein ). Wir sollten im Geiste der „ kommunikativen Vernunft „ Habermas` sagen, dass sie keine Autorität ausser ihrer eigenen, frei erzielten Übereinkünften Respekt schulden.

In dem Sinne. Packen wir es an. Bleiben wir nicht beim “ Postmodernen Wissen “ ( Francois Lyotard ) stehen. Die Postdemokratie ( Colin Crouch ) wäre u.a. eine “ gute “ Orientierungshilfe.

Vielleicht ist weniger doch mehr? Wenn nicht insgesamt, dann doch die  Gewichtung unter- und gegeneinander. Arbeiten und wirtschaften sind existenzielle Wesenheiten des Menschen. Das Risiko der Entfremdung und Überforderung ist dennoch immer gegeben. Schöpferische Pausen und Musse, ob in Natur mit Sport oder im intelektuellen Bereich jenseits der Eindimensionalität dürften jedoch auch ihre Berechtigung haben. Enough is enough würde der Engländer  sagen. Deshalb anbei ein  Gedicht von Kurt Vonnegut zu diesem Thema:

                                                            

                                                  JOE HELLER

                                          True story, Word of Honor:
                                 Joseph Heller, an important and funny writer
                                                        now dead,
                                   and I were at a party given by a billionaire
                                                 on Shelter Island.

                              I said, “Joe, how does it make you feel
                               to know that our host only yesterday
                                     may have made more money
                                       than your novel ‘Catch-22’
                                   has earned in its entire history?”
                    And Joe said, “I’ve got something he can never have.”
                        And I said, “What on earth could that be, Joe?”
                    And Joe said, “The knowledge that I’ve got enough.”
                                        Not bad! Rest in peace!

Entnommen: John C. Bogle Enough: True measures of Money, Business and Life aufgefunden auf der Website von Ms Maria Popova https://www.brainpickings.org/ An inventory of a meaningful life. Schöne bis geistreiche Dinge gibt es da zu entdecken.

                                                                  In dem Sinne

                                                                                                                                                                                                                        ein wohltemperiertes 2016

                                                                                                                                                                                                        möge die Macht des Glücks mit Ihnen sein 

                                                    ( Hans-Dieter Rüppel )

 http://www.moviepilot.de/movies/star-wars-episode-vi-die-rueckkehr-der-jedi-ritter/trailer/83011